Segeln in der Türkei: Fethiye
18.-28. Oktober 2014.
Eine Reise beginnt bereits mit den Vorbereitungen. In unserem Fall hieß das zuallererst: Wann segeln wir und wo, bei wem mieten wir ein Boot, wie groß soll es sein (wie viele Leute kommen mit), von welchem Yachthafen starten wir? Da ich erst später eingestiegen bin, hatte ich mit all diesen Vorüberlegungen und -entscheidungen nichts weiter zu tun. Achim hat das Boot bei Cosmos-Yachting gechartert, das ist eine europaweite Yachtcharter-Agentur mit Sitz in München. Das Segelrevier sollte die türkische Küste zwischen Marmaris und Kas sein. Der Vercharterer vor Ort war in Fethiye Dream Yacht Charter.
Das Boot
Bei der Segelyacht handelte es sich um eine Harmony 47 (Bj. 2007, Länge 14 m., 4 Kabinen, 2 Naßzellen). Den Bootstyp hat uns Achim beim Vortreffen mitgeteilt, was bei mir allerdings nicht dazu geführt hat, dass ich die Yacht im Web recherchiert und genauer unter die Lupe genommen hätte – ich habe einfach darauf vertraut, dass das passt für sieben Leute und alles gut ist. Denn für mich war es ja das erste Mal überhaupt, bei einem Segeltörn dabei zu sein, und als Neuling hatte ich sowieso keine Ahnung.
Die Crew
Sieben Leute, davon zwei, die die entsprechenden Ausbildungen und Erfahrungen fürs Segeln hatten, drei, die schon mal mitgesegelt und mit der Materie mehr oder weniger vertraut waren und zwei blutige Anfängerinnen: Das war die bunte Truppe, die da loszog am 17.10. von Kassel zum Flughafen Köln/Bonn, von da aus mit dem Flieger nach Dalaman und dort schließlich mit Guesthouse-Shuttle nach Fethiye.
Fethiye liegt wunderschön – in einer weiten Bucht, umrahmt von Bergen. Ein toller Ort, um zu einem Segeltörn entlang der lykischen Küste zu starten.
Es geht los
Nachdem wir das Boot wegen Reparaturen erst am Spätnachmittag des nächsten Tages übernehmen konnten, legten wir am Montag, den 19.10. vormittags von Fethiye ab in Richtung Westen. Ich glaube, wir haben tatsächlich zwischendurch die Segel gehisst, sicher bin ich mir allerdings nicht. Es war sonnig und wir hatten kaum Wind.
Während der Fahrt studierten wir das Revierbuch, das wir mit den anderen Bootsunterlagen erhalten hatten, nach einer Bucht mit Restaurantsteg und Mooring (→ Mooring bei Wikipedia). Es gibt viele wunderschöne kleine Buchten im Golf von Fethiye, in denen man ankern, an Bojen oder Felswänden festmachen oder – die bequemste Variante – an einem Steg anlegen kann, der zu einem Restaurantbetrieb gehört. Die Betreiber möchten dann verständlicherweise auch, dass man ihr Restaurant besucht, was wir aber nicht als Nachteil ansahen: Die türkische Küche ist hervorragend.
Trotzdem haben wir während unserer Reise auch ab und zu an Bord gekocht. Und immer dort auch gefrühstückt. Mich hat die kardanische Herdaufhängung völlig beeindruckt – dass die Töpfe auch beim Schaukeln des Bootes nicht vom Gasherd rutschten, weil die Aufhängung den Herd in der Waagerechten hielt: toll. Hat natürlich seine Grenzen bei Schieflage oder sehr bewegtem Wellengang…
Tomb Bay
Gegen halb vier Uhr nachmittags legten wir dann in der Tomb Bay an, einer verschwiegenen kleinen Bucht mit wenigen Gästen, einem netten Restaurant und der Besonderheit eines kombinierten Massage-Friseursalons für das kleine Schönheitsprogramm zwischendurch. Hier konnte man so richtig schön relaxen: Baden in der Bucht, die Sonne genießen bei Tee oder Wein…
Am nächsten Morgen, Dienstag, den 20.10. brachen wir um 7 Uhr auf zu unserem nächsten Ziel: die Bucht von Ekincik, nicht weit weg vom Köyceğiz-Delta, weiter Richtung Westen. Meistens waren wir mit Motor unterwegs auf dieser längeren Strecke, ab und zu wurden die Segel gesetzt, es gab allerdings nicht viel Wind.
Die Anfängerinnen unter uns konnten dabei zunächst gar nicht so viel machen, für uns war es erst mal wichtig, ein paar Grundlagen zu lernen: Was ist der Unterschied zwischen Fall und Schot zum Beispiel, welche Leine ist das Großfall und welche das Großschot, was ist „fieren“ und was heißt „belegen“, wo ist Backbord und wo ist Steuerbord? (→ Mitsegel-ABC) Und dann konnte man schon mal auf Zuruf eine Winsch bedienen oder zumindest nach Kräften mitziehen, wenn zum Beispiel das Großsegel gehisst wurde, oder danach das Großfall ordentlich zusammenlegen…
In der Köyceğiz-Bucht ankerten wir für einen Zwischenstopp, um schon mal einen Blick auf das Delta zu werfen, das für seine Meeresschildkröten berühmt ist. Es war warm, die meisten von uns nutzten den Stopp für ein Bad. Leider sind uns dabei keine Schildkröten begegnet…
Abends gingen wir dann in der Bucht von Ekincik vor Anker.
Bucht von Ekincik
Von hier aus lassen sich Bootsausflüge in das Köyceğiz-Delta und den Fluss hinauf bis nach Dalyan organisieren. Interessant ist so ein Ausflug nicht nur wegen der Schildkröten – auch landschaftlich soll die Flussfahrt einiges zu bieten haben, und die Ruinen der antiken Stadt Kaunos sind sicher ebenfalls einen Besuch wert. Das Delta und die Flussfahrt waren unser eigentliches Ziel. Vorerst haben wir aber schön gekocht (Spaghetti mit Tomaten-Gemüse-Soße) und anschließend nett gebechert. Das Boot schaukelte uns dann in den Schlaf, bei etwas stärkerem Wellengang als in den beiden Nächten davor, aber nicht unangenehm. Erst gegen Morgen wurde das Schaukeln heftiger. Also doch lieber am Steg von „My Marina“ festmachen und dann in Ruhe frühstücken. Auch aus dem Grund, weil die Wettervorhersagen alles andere als günstig waren und daher ein sicherer Anlegeplatz angesagt.
Beim Anlegen stand schon ein freundlicher Mensch von der Marina dort, um die Achterleine entgegen zu nehmen. Ich hatte die Aufgabe, sie auf der Backbordseite zu werfen. Leider klappte das bei mir nicht und die Leine landete im Wasser. Beim ersten Mal in Fethiye hatte ich damit kein Problem, war aber wohl mehr ein Zufallstreffer :-). Zum Werfen der Achterleine gehört die richtige Technik, das wurde mir dann auch klar. Sowas kann man üben, und vor allem ist eine gute Leinenvorbereitung wichtig. (→ So wirft man eine Achterleine).
Von „My Marina“ spazierten wir mittags in den Ort, um ein Ausflugsboot nach Dalyan zu chartern. Aber leider fuhren die Boote wegen der Unwetterwarnung nicht hinaus: zu gefährlich. Vielleicht am nächsten Tag, sagte man uns. So verbrachte ein Teil der Gruppe den Nachmittag am Strand bei noch weitgehend Sonnenschein, auch wenn sich die Wolken rundherum schon mächtig aufzutürmen begannen. Ein anderer Teil nutzte die Ruhe vor dem Sturm noch für eine kleine Segeltour. In der Nacht hatten wir dann schon einen deutlich größeren Wellengang als zuvor, es blieb aber alles noch relativ ruhig.
Auch den Donnerstag verbrachten wir noch in „My Marina“ – am Nachmittag ging das Unwetter richtig los, heftige Gewitter, Regenschauer, Böen. An den Ausflug nach Daylan war nicht zu denken. Ohne das Schildkröten-Delta besucht zu haben, verließen wir am Freitag früh die Bucht, denn es waren für den Abend und auch für den nächsten Tag noch stärkere Unwetter angesagt, und wir wollten bis dahin in einem sicheren Hafen sein. Wir nahmen Kurs Richtung Osten auf Göcek, einem größeren Yachthafen im Golf von Fethiye.
Mit vollen Segeln voraus – nach Göcek
Die Überfahrt war sehr schön – bewegtes Meer, bewegter Himmel, genug Wind, um ordentlich voranzukommen, jedenfalls bis vor dem Golf von Fethiye. Plötzlich drehte der Wind komplett seine Richtung, um im Golf selbst dann fast völlig weg zu sein… Die letzte halbe Stunde fuhren wir wieder mit Motor. Vor dem Hafen von Göcek ankerten einige mächtige Schiffe mit Hubschrauber-Landeplatz und allem drum und dran. Der Hafen war schon ziemlich voll – wir waren natürlich nicht die einzigen, die auf die Idee gekommen waren, Schutz zu suchen. Wir bekamen noch einen Anlegeplatz an der Außenseite am Ende des Stegs.
Gonzalo heizt ein
Dort erlebten wir dann eine ziemlich aufregende Nacht mit heftigen Sturmböen, Regen und Gewitter und einer Hafenmannschaft in ständiger Aktion. Das Sturmtief Gonzalo, das vorher über Deutschland und halb Europa gezogen war, erwischte uns nun auch an der lykischen Küste. Wir hielten abwechselnd Nachtwache auf dem Boot und hatten das Glück, dass das kompetente und rührige Hafenpersonal auch bei uns (ebenso wie auf anderen Schiffen um uns herum) die Anleinung noch einmal korrigierte. So überstanden wir das Sturmtief zwar etwas übermüdet, aber ohne größere Schäden. Nur eine Halterung am Hauptmast war beschädigt und auch Lazy Jack hatte etwas gelitten, so dass Segeln erst mal nicht mehr drin war. Wir mussten zurück nach Fethiye, damit die Schäden repariert werden konnten.
Von Fethiye aus zogen wir Sonntag dann wieder los in unsere letzte kleine Restaurant-Bucht am Golf (deren Name mir leider entfallen ist).
Hier ließen wir es uns jedenfalls bei wieder bestem Wetter gut gehen.
Der letzte Tag – zum Abschied La Dolce Vita (oder türkisch: Tatlı Hayat)
Am Montag, unserem letzten Tag, wollten wir auf jeden Fall noch einmal segeln,bevor wir abends das Boot wieder in Fethiye übergeben mussten. Auch wenn der Wind sehr spärlich war, setzten wir die Segel, fuhren mit gemütlichen ein bis zwei Knoten zwischen den Buchten spazieren und genossen zum letzten Mal Sonne, Meer und mediterrane Küstenlandschaft, nebenbei auf der Suche nach einem günstigen Plätzchen für ein letztes Bad. Das nahmen wir dann vom Boot aus bei einem Stopp auf dem Wasser. War wirklich erfrischend!
Abends in Fethiye dann volltanken und den Fäkalientank leeren lassen, das Boot säubern, alles aufräumen… Die Abnahme durch den Vercharterer ging reibungslos und zügig. Wir konnten danach noch auf dem Boot bleiben und ließen uns in unserer letzten Nacht noch einmal von sanften Wellen in den Schlaf schaukeln, bevor es dann morgens wieder zurückging nach Dalaman, diesmal mit einem von Dream Yacht organisierten Shuttle.
Fazit:
Auch wenn es einige Widrigkeiten gab – insgesamt war es eine schöne Reise, und ich bin wirklich beeindruckt vom Segeln. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit einer netten Crew, an einer wunderschönen Küste, und die Leute vor Ort waren allesamt freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Seekrank bin ich auch nicht geworden, und es wird sicher für mich nicht das letzte Mal sein!
Zu unserem Boot noch, der Harmony 47:
Es gab sehr wenig Stauraum. Unsere leeren Koffer konnten wir aber beim Vercharterer unterstellen, so war das kein Problem.
Die Profis kritisierten recht schnell, dass das Boot nur zwei Winschen hat. Bei schnellen Manövern konnte man da schon mal in Hektik kommen, weil ein Seil erst von der Winsch genommen werden musste, bevor man das nächste draufziehen konnte, das war also nicht sehr komfortabel. Die Segeleigenschaften wurden ansonsten gelobt.
Die Fotos sind von Mitseglerin Ellen.
Andrea
































